PETITION

des Kuratorium Wald zum Schutz unserer Bäume

– Waldökologieprogramm –

Klimawandel und Hitzeperioden erfordern ein Ökologieprogramm gegen das Waldsterben 2.0

Der österreichische Wald und unsere Bäume stehen vor massiven Herausforderungen. Klimawandel, Hitzeperioden und extreme Trockenheit, zu hohe Wildbestände sowie Insekten- und Pilzbefall machen dem heimischen Wald schwer zu schaffen. Ein schnelles Umdenken ist notwendig!

Das Kuratorium Wald fordert daher eine Umsetzung des 10 Punkte Plans für eine ökologische Waldwirtschaft und eine Baumpflanzaktion „100 Millionen neue Bäume in ganz Österreich“ als Klimaschutzprogramm!

Rasches Handeln ist dabei wichtig! Daher fordern wir eine Behandlung der 10 Gebote zum Schutz unserer Bäum im Nationalrat!

Unterstützen Sie das Kuratorium Wald bei seiner Forderung mit Ihrer Unterschrift!

Bitte Unterstützen Sie diese Petition!

10 Gebote zum Schutz unserer Bäume

1. Alle Prinzipien des nachhaltigen Wirtschaftens sind im Wald konsequent umzusetzen. Nie mehr Holz ernten, als nachwächst. Umwandlung der Fichtenmonokulturen in Tieflagen zu Mischwäldern mit kleinen Urwaldzellen damit unser Wald klimafit wird.
2. Die Lebensraumfunktionen des Waldes für Tier und Mensch im Forstgesetz verankern. Eine nachhaltige Sicherung des Waldes als komplexes Ökosystem mit allen Tieren, Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen ist das Gebot der Stunde.
3. Verbot von Kahlschlägen im Wald, da dadurch mehr CO 2 freigesetzt, als gebunden wird – rascher Umstieg auf Einzelstammentnahmen.
4. Verzicht auf Einsatz von schweren Holzerntemaschinen, damit die Waldböden nicht verdichtet werden, Mikroorganismen überleben und die Waldböden ihre Wasserspeicherfähigkeit nicht verlieren.
5. Rotwildbestände um 50 % reduzieren, kommerzielle Trophäenjagd unterbinden, damit Biodiversität, Mischwald und Naturverjüngung möglich wird und Tannen sowie Lärchen eine Überlebenschance haben. Wildfütterung erfolgt nur mit Heu, auf Kraftfutter muss verzichtet werden.
6. Mehr Auwälder schaffen und damit unser Klima schützen. Bei einer Verdoppelung der Auwaldflächen auf 200.000 Hektar könnten bis 2030 in Österreich zusätzlich 2 Millionen Tonnen CO 2 pro Jahr reduziert werden.
7. Die Umwandlung unseres Waldes muss mit heimischen, klimaangepassten Baumarten wie Tanne, Eiche, Ahorn, Ulmen, Mannaeschen, Hopfenbuchen etc. erfolgen.
8. Die Menschen in den Städten sind vom Klimawandel und den Hitzeperioden besonders betroffen. Wir fordern eine Verdoppelung des Baumbestandes in allen österreichischen Städten, um das urbane Leben der Menschen schöner und erträglicher zu gestalten.
9. Alte Bäume haben ein Grundrecht auf ein Überleben. Bestehende Bäume, Baumgruppen und Alleen in Städten, Märkten und Dörfern müssen vor sinnlosem Baummorden im Forstgesetz bundesweit geschützt werden.
10. Die neue Bundesregierung, der neue Nationalrat muß die Wegehalterhaftung nach dem allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch ändern: „Wer Straßen, Wege im Wald oder am Waldrand unentgeltlich nützt, hat in eigener Verantwortung auf alle waldtypische Gefahren zu achten“. Einzelbäume und Baumgruppen in Städten oder auf Marktplätzen, sowie in Hinterhöfen oder Alleen entlang von Straßen dürfen von den Gerichten nicht mehr als Bauwerk betrachtet werden. Bäume sind Lebewesen, die Gebäudehaftung ist daher auf Bäume nicht mehr anzuwenden.

Verein Kuratorium Wald
1080 Wien, Alserstrasse 37/16
www.wald.or.at
Mail:kuratorium@wald.or.at

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Der österreichische Wald in der Krise
Hintergrundinformation zur Petition des Kuratorium Wald gegen das Waldsterben 2.0

Der österreichische Wald ist in der Krise, dieser Fakt ist nicht mehr abzuweisen. Hitze, Klimawandel, neue einwandernde Pflanzen und Tierarten, an die unser Ökosystem nicht angepasst aber auch einen zu hohen Wildbestand machen den heimischen Wäldern zu schaffen – ganz besonders den weit verbreitenden Fichtenmonokulturen in Tieflagen.

Der Wald in Österreich

Knapp die Hälfte (47,9%) der österreichischen Staatsfläche ist bewaldet. Damit kommen auf jeden Österreicher und jede Österreicherin ca. 0,5 ha Wald. In Deutschland sind es ca. 0,14 Hektar. Die Fichte ist dabei mit einem Anteil von 57,4% die bei weitem häufigste Baumart, die zweithäufigste Baumart, die Buche liegt hingegen nur bei 12%. Natürlicherweise wäre das Verhältnis bei weitem nicht so deutlich auf Seite der Fichte. Diese wächst natürlich in kühlen Lage über 600-800 Höhenmeter, wo sie auch natürlicherweise Bestandsbilden ist, aber meist Anteil von Buche, Tanne und Lärche beigemischt sind. Wer also einen Fichtenreinbestand unter 600 Meter sieht, kann davon ausgehen, dass hier eigentlich ein Laubmischwald sein sollte.

Im Sinne des Klimaschutzes wäre eine Erhöhung der bewaldeten Fläche bis 2030 auf 55% begrüßenswert, dazu müssten eine Fläche von 600.000 Hektar aufgeforstet werden. In Österreich werden hingegen täglich 12,9 Hektar neu verbaut (Europarekord!). Würde dieser Fläche tägliche neu aufgeforstet statt betoniert werden, wäre 2030 der Zuwachs der Waldfläche auf 55% der Landesfläche erreicht.

Funktionen des Waldes

Der Wald in Österreich wird zu 85% genutzt, ist aber nicht nur als reine Plantage zu sehen, sondern hat eine Vielzahl von Nutz- und Schutzfunktionen. In den Alpentälern sind die bewaldeten Hänge über Orten und Städten oftmals eine Lebensversicherung. Diese Wälder, Schutzwäldern genannt, schützen im Winter vor Lawinen und im Sommer vor Muren. Doch auch diese Schutzwälder sind instabil – einerseits wegen der Belastungen durch den Klimawandel, andererseits können sich diese Wälder nicht mehr verjüngen, die von selbst aufkommenden Keimlinge von den zu hohen Wildbeständen abgefressen werden. Hier fehlt es an der Kommunikation zwischen den Ansprüchen der Forstwirte und Jäger sowie einem umfassenden Konzept. Besonders betroffen ist davon die Tanne, die durch das mangelhafte Wildmanagement in Österreich das Aussterben droht. Klare gesetzliche Vorlage fehlen jedoch! Nichtsdestotrotz sind die Schutzwälder Österreichs zu den naturnächsten zu zählen, da hier die Forstwirtschaft in der Bewirtschaftung eingeschränkt ist um die Schutzfunktion nicht zu gefährden.

Nicht nur den Schutz des Menschen fördert der Wald, auch die Erholungsfunktion eines Waldes ist enorm wichtig. Wie neueste Forschungen ergeben, schon ein einstündiger Aufenthalt im Wald steigert die Zahl der Killerzellen, die das Immunsystem verbessern. Blutdruck, Kortisol und Puls sinken ebenfalls.
Zu guter Letzt ist der Wald Heimat für zahlreiche Vögel, Käfer und Säugetiere, die nur durch eine hohe Strukturvielfalt und Dynamik existieren können. Die Artenzahl in einer Fichtenmonokultur kann man mit einer gewissen Berechtigung als Waldwüste bezeichnen, denn für die meisten Tier- und Pflanzenarten ist es eine lebensfeindliche Umgebung während man in einem naturnahen Mischwald auf jedem Quadratmeter viele verschieden Tiere und Pflanzen finden kann.

Wildnis & bewirtschafteter Wald

Wenn man nun einen natürlichen Wald in Österreich sucht, einen Urwald, gibt es nur einen einzigen Ort, der dies zu bieten hat. Das Wildnisgebiet Dürrenstein zeigt mit seinen 3500 Hektar, wie ein natürlicher Wald aussieht. Hier wird schnell klar, dass dies nicht viel mit dem uns bekannten bewirtschafteten Wald zu tun hat. Ein Dickicht des Buchenwaldes bieten unzählige umgefallen als auch stehende tote Bäume der Artenvielfalt ein Refugium. Dieses vermeintliche Chaos lässt den Prozessen der Natur ihren freien Lauf – eine hohe Artenvielfalt auf kleinen Raum und eine Resilienz gegenüber Naturereignissen sind die positive Folge. Denn wenn eine Art „ausfällt“, kann eine weitere schnell ihren Platz einnehmen. Diese Flexibilität fehlt den bewirtschafteten und aufgeräumten Wäldern.

Der Wald als Klimaschützer

Der Wald gilt als grüne Lunge, denn jeder Baum verwendet Kohlendioxid (C02) um um zu wachsen und gibt dabei wieder Sauerstoff an die Umgebung ab. Das C02 wird dabei im Holz gebunden, kommt aber wieder in die Atmosphäre, wenn es verbrennt oder verrottet. Holz ist also klimaneutral. Wenn nun zusätzliche Wald entsteht, wird mehr Kohlendioxid gebunden. Wenn keine schweren Maschinen für die Holzbringung verwendet werden und auf den Waldboden Acht gegeben wird, steigt die C02-Bindung des Waldes. Denn der Waldboden speichert sehr viel C02, welches nicht mehr abgegeben wird. Wird jedoch ein naturnaher Wald mit einem Kahlschlag vollständig umgeschlagen, verliert der Boden den Schutz der Bäume, erodiert und gibt das gespeicherte C02 ab – so kann ein Wald auch zum C02 Produzent werden!

Der Wald als Klimaschützer – Fakten:

  • Ein Quadratmeter Waldboden kann bis zu 400 Liter Wasser speichern

  • In einer 120-jährige und ca. 35 m hohe Buche sind ca. 6 Tonnen gespeichert, das sind um eine Tonne mehr als in einer gleichalten Fichte (Vergleich: durchschnittlicher C02-Emmission eines Österreichers pro Jahr: 8,3 Tonnen)

  • Eine 20 Meter hohe Fichte gibt täglich rund 21.000 Liter Sauerstoff ab (durchschnittlicher Bedarf von 35 Menschen pro Tag)

  • Eine Birke verdunstet bis zu 100 Liter Wasser pro Tag

  • Ein Hektar Wald speichert rund 13 Tonnen CO2 pro Jahr

  • Ein Hektar Nadelwald kann bis zu 35 Tonnen Staub binden

  • In Wäldern ist es bis zu sechs Grad kühler als in Stadtgebiete



Auwälder

Ein besonderes sensibles als auch gefährdetes Waldökosystem in Österreich sind die Auwälder. Vor allem in Zeiten des Klimawandels sind diese Wälder von großer Bedeutung, da sie durch ihre Rückhaltefunktion vor Hochwasser nach Extremwetterereignissen schützen und durch ihre Schnellwüchsigkeit als auch die besonders dicke Bodenschicht mehr Wasser und C02 speichern können als beispielsweise ein Bergwald.
Doch ein Auwald benötigt einen natürlich fließenden Fluss, der ohne Verbauung immer wieder über die Ufer treten darf und genug Platz hat, um sich neue Wege zu suchen.
Doch Österreichs Flüsse sind stark verbaut, nur mehr weniger als ein Sechstel sind ökologisch intakt, und diese Entwicklung lässt sich auch im Auwald ablesen. Mittlerweile gibt es in Österreich nur mehr weniger als 100.000 Hektar Auwald, während es 1970 noch das dreifache waren. Laut Schätzungen sind in den letzten Jahrzenten rund drei Viertel des heimischen Aubestandes durch Rodungen, Flussregulierungen und Wasserkraftwerksbau verschwunden.

Auenschutz ist effektiver Klima-, Hochwasser- und Naturschutz

  • natürliche Auen, die dem natürlichen Wechsel von Trockenheit und Flut unterliegen, sind Hochwasserrückhaltung, Grundwasserreservoir, Filter für Sedimente und gelöste Nährstoffe, als lebendige Kohlenstoffspeicher, Erholungsraum und natürliche Lebensräume für hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten 

  • Natürliche Auen speichern Kohlenstoff und Verringern die Treibhausgasemission

  • Das Speichern von C02 in den Auböden funktioniert nur, wenn die Böden zeitweise überschwemmt werden

  • In einer großen Studie aus Deutschland (Scholz et al. 2012) wurde gezeigt, dass in Deutschland 177 Millionen Euro pro Jahr Folgekosten des Klimawandels einsparen, wenn man die Auen wieder Renaturieren würde – auch Österreich könnte hier Unsummen sparen!

  • Auen halten Stickstoff und Phosphor zurück und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Reinhaltung der Flüsse und zum Schutz der Meere vor Überdüngungen (Diese Reinigungsleistung der Auen entspricht einem Betrag von rund 500 Millionen Euro pro Jahr in Deutschland)