Dicke Luft im Bergwald

Das Kuratorium Wald hat in Kooperation mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus am 03.12.2018 zu einem Expertenworkshop eingeladen, der sich mit der Umsetzung des Bergwaldprotokolls der Alpenkonvention auseinandersetzte. Schwerpunkt dieses Workshops war die Rolle des Bergwaldprotokolls (Art 2) in Bezug auf forstschädliche Luftverunreinigungen und die Wirkung des Waldes auf die menschliche Gesundheit.

Insgesamt 25 Personen aus unterschiedlichen Fachgebieten fanden sich daher am 3. Dezember 2018 im Oktogon Am Himmel in Wien ein, um ausführlich über die Auswirkungen von Luftschadstoffen auf den Bergwald sowie die Wirkung des Waldes auf den Menschen zu diskutieren. Ziel dieses Workshops war es, den Anstoß zu einem Dialog zu geben, um in Folge an Lösungen für einen verbesserten Immissionsschutz für den Bergwald zu arbeiten.

Zusammenfassung der Vorträge

Im ersten Teil des Workshops standen Vorträge die sich mit verschiedenen Aspekten der Luftschadstoffbelastungen und der menschlichen Gesundheit auseinandersetzten im Vordergrund.

Den ersten Vortrag hielt Ferdinand Kristöfel vom Bundesforschungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) mit dem Thema „Vom Waldsterben zum europaweiten Waldzustandsmonitoring“ und gab einen Einblick in das große Waldsterben der 1980er Jahre und das danach entstandene europaweite Waldzustandsmonitoring.

Arnulf Hartl von der Medizinischen Privatuniversität Paracelsus präsentierte die wertvollen Ökosystemleistungen des Waldes und seine positive Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Er machte darauf aufmerksam, dass die Forschung in diesem Gebiet noch sehr jung ist und in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Schon heute sind bereits positive Wirkungen für den menschlichen Organismus nach einem kurzen Aufenthalt im Wald nachweisbar.

Im dritten Vortrag stellte Wolfgang Riener das Piolotprojekt „Wald und Gesundheit“ vor, ein Praxisbeispiel wie man die Zusammenhängen zwischen Wald und Gesundheit der lokalen Bevölkerung näher bringen kann. Herr Riener sieht es als Chance für die Region und für die Forstwirtschaft die Wertschöpfung auszubauen.

Alfred Fürst vom Bundesforschungszentrum für Wald erläuterte in seinem Vortrag den Nutzen der Bioindikation mit Waldbäumen und die Bedeutung der Zweiten Verordnung gegen Forstschädliche Luftverunreinigungen. Hervorgehoben wurden dabei die praktische Anwendbarkeit der forstlichen Bioindikation und die Einzigartigkeit der gesetzlichen Grenzwerte für Blatt/Nadelgehalte in Europa.

Abschließend ging Paul Kuncio vom Kuratorium Wald auf die rechtlichen Verpflichtungen des Bergwaldprotokolls mit dem Fokus auf forstschädliche Luftverunreinigungen ein und kam zu dem Entschluss, dass auf ein Handlungsbedarf hinsichtlich der aktuellen Rechtslage für einen adäquaten Schutz der Wälder vor Luftschadstoffbelastungen bestehe.

Disskussion über möglichen Handlungsbedarf

Der zweite Teil des Workshops bestand aus drei Arbeitsgruppen die sich die Frage stellten, wie ein verbesserter Schutz des Waldes vor Luftschadstoffbelastungen gewährleistet und der Wert des Waldes für die menschliche Gesundheit hervorgehoben werden könnte. Nach einer intensiven Stunde der Diskussionen wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgetragen und besprochen. Folgende Argumente sind vorgebracht worden:

Es sollte eine Verordnung erlassen werden, die dem Stand der Wissenschaft entspricht. Dabei wurde auch auf den Entwurf zur Dritten Verordnung gegen forstschädliche Luftverunreinigungen hingewiesen, der seit geraumer Zeit vorliegt aber es nie zu einer Beschlussfassung gekommen ist. Für eine Aktualisierung der Grenzwerte am neuesten Stand der Wissenschaft muss die Forschung stärker eingebunden werden. Es bedarf eine entsprechende Schadstoffwirkungsforschung mit der Differenzierung der Wirkungen auf die jeweiligen Arten. Ausdrücklich wurde noch hinzugefügt, dass die Zweite Verordnung gegen forstschädliche Luftverunreinigungen wirksam ist, jedoch eine Adaptierungen beim Anlagenbegriff sowie die Aufnahme zusätzlicher Schadstoffe angedacht werden sollen. Thematisiert wurde auch die globale Problematik der Feinstaubbelastung und die Möglichkeit eine VO „IG-L Wald“ nach dem Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) zu erlassen. Davor wurde aber gewarnt, da die Messungen abseits von Ballungsräumen bzw. stark frequentierten Straßen durchzuführen sind. Aus diesem Grund soll die Zuständigkeit solcher Messungen im Forstgesetz bestehen bleiben. Bei Waldschäden ist auch darauf zu achten, ob es sich dabei um Schäden durch Emissionen oder den Klimawandel handelt. Es stellt sich die Frage, wie hoch der Leidensdruck denn sein muss bis auf die Problematik ausreichend reagiert wird.

Bei entstandenen Schäden muss auch geklärt werden wen die Beweispflicht trifft und einen entsprechenden Nachweis zu erbringen hat. Der Schädiger oder der Geschädigte (Stichwort: Beweislastumkehr). Dies brachte die Diskussion auch zur Problematik der Wertschätzung des Waldes. Wie kann überhaupt der Wert des Waldes entsprechend beziffert bzw. monetarisiert werden. Die Bevölkerung muss ein Bewusstsein für den Wert des Waldes erlangen, damit dieser auch von diesen geschätzt werden kann. Was ist der Wald der Allgemeinheit? Wer hat dies zu Messen und wer kann den Wald entsprechend vermarkten.

Zusammenfassung & Erkenntnisse

Die Nutzung des Waldes durch die Allgemeinheit birgt Nutzungskonflikte, die es anzusprechen und mit den Waldbesitzern zu klären gilt. Eine Umfrage im Rahmen des Walddialoges könne eventuelle dabei helfen, Bedenken gegenüber Regelungen von außen zu kanalisieren und Akzeptanz zu schaffen. Ein gesunder Wald stellt eine wichtige Grundlage für die menschliche Gesundheit dar. Dieser Wert muss entsprechend kommuniziert werden. Die Schutzwürdigkeit des Waldes aus medizinischen Gründen (Public Health) ist hervorzuheben und wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Die unterschiedliche Vulnerabilität des Menschen und des Waldes ist dabei zu berücksichtigen. Es fiel der Begriff „Reverse Brain-Drain“ in Bezug auf Stadt-Land-Entwicklung, bei dem es darum geht, dass die Vorteile und Ressourcen, die während eines Zeitraums Außerhalb seines Heimatortes erlangt wurden an diesem geteilt und genutzt werden.

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