2018 – Die Pappel

Bundesministerin Elisabeth Köstinger präsentiert gemeinsam mit dem Kuratorium Wald den Baum des Jahres 2018 – Die Pappel

 

(c) BMNT/Paul Gruber; Personen: Gerhard Heilingbrunner/Kuratorium Wald, Matthias Merth/Kuratorium Wald, BM Elisabeth Köstinger/BMNT, Gerald Gimpel/Kuratorium Wald, SC Maria Patek/BMNT)
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Die Pappeln – in ständiger Bewegung Die Pappeln haben in Österreich drei natürliche Vertreter: Die Schwarzpappel, Silberpappel und Zitterpappel. Hinzu kommt eine natürliche Kreuzung aus Silber- und Zitterpappel – die Graupappel, welche jedoch keine eigenständige Art bildet. Diese Arten sind allesamt sommergrüne Laubbäume und entstammen der Pflanzenfamilie Weidegewächse und werden mit dem lateinischen Gattungsnamen „Populus“ zusammengefasst.  Dieser Gattungsname kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Volk“. Der Sage nach gaben die Römer den Pappeln diesen Namen, weil ihre Blätter sich, so wie das Volk, im Zustand andauernder Unruhe befinden. Die Gattung Pappel umfasst weltweit über 150 Arten in beiden Hemisphären. In der nördlichen Hemisphäre gibt es ca. 35 Pappelarten. Das Aussehen der verschiedenen Pappelarten unterscheidet sich von Art zu Art. Neben den Unterschiedlichkeiten gibt es aber auch Merkmale, die alle Pappeln verbindet. Wie sämtliche Vertreter der Weidengewächse sind Pappeln zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Auch die Samenverbreitung verläuft bei allen Pappeln durch den Wind. Dabei wird der sogenannte Pappelschnee oder Pappelflaum – ein faserig weißes Knäuel gebildet in dem sich die nur millimetergroßen Samen befinden. Diese werden durch den Wind kilometerweit vertragen und sorgen mit ihrem massenhaften aufkommen und schneeflockenähnlichen Aussehen im Mai nochmal für Winterfeeling. Eine weitere Gemeinsamkeit der Pappeln ist das schnelle Wachstum der Bäume. Alle heimischen Vertreter der Pappeln sind aufgrund ihrer ökologischen Funktion als Pionierbäume sehr schnellwüchsig. Sie sind also maßgeblich für die Besiedlung von Lebensräumen und kommen auch häufig dort vor, wo es natürlicherweise große Störungen gibt – wie etwa in der Au. Pappel in Gefahr Eigentlich sollten die Pappeln ein häufiger Vertreter in der europäischen Landschaft sein. Neben Weiden und Erlen gelten die Schwarz-, Silber und Graupappel als typische Charakterbäume der Auenlebensräume. Die Realität zeichnet jedoch ein anderes Bild – die Schwarzpappel gilt generell in Mitteleuropa als gefährdet und steht auf der Roten Liste als von der Ausrottung bedrohte Baumarten. Die Silberpappel ist im Alpengebiet regional gefährdet. Warum? Es fehlt schlichtweg an Lebensraum! Vor allem die Schwarzpappel ist auf natürliche Auen angewiesen. Sie benötigt natürliche Störungsereignisse wie Überschwemmung oder Eisstöße. Doch diese erforderte Dynamik kann nur ein natürlicher Flusslauf bieten – ein Fluss der mäandrieren und ausufern kann. Und Fließgewässer mit diesen Eigenschaften sind in der mitteleuropäischen Landschaft leider rar. Denn sie wurden größtenteils vom Menschen gezähmt, verbaut und begradigt. Noch dazu ist die Hybrid- oder Kanadapappel auf dem Vormarsch und bietet den heimischen Pappelarten auf den verbleibenden Auenlebensräumen starke Konkurrenz. Die Hybridpappel Die Kanada- oder Hybridpappel ist ein Mischling aus der heimischen Schwarzpappel (Populus nigra) und der Kanadischen Schwarzpappel (Populus deltoides). Es handelt sich dabei um einen menschgemachten Hybriden, da sich die nordamerikanische und heimische Pappeln auf natürlichem Wege nie treffen würden. Die Züchtung erfolgt unter ökonomischen Gesichtspunkten, denn die Kanadapappel gibt schon nach einigen Jahren eine stattliche Figura ab und die Maximalhöhe wird schon nach vierzig Jahren erreicht. Darüber hinaus ist sie leicht zu vermehren.  Ein wunderbarer Brotbaum für die Forstwirtschaft also. Doch die Hybridpappel hat sehr ähnliche Ansprüche wie die heimische Schwarzpappel – und sie können sich untereinander kreuzen! Durch die Kreuzung zwischen heimischer Schwarzpappel und eingebrachter (und mittlerweile selbstvermehrender) Kanadapappel, kommt es zur Verdrängung der reinerbigen heimischen Schwarzpappel und es entstehen formreiche, variable Hybride. Die exakte Trennung ist deshalb in vielen Fällen gar nicht mehr möglich, oder wenn dann nur mit genetischen Methoden. Die Existenz der indigenen Schwarzpappel ist damit bedroht! Mittlerweile gibt es etwa 14 verschiedene Sorten der Hybridpappel. In Schutzgebieten versucht man gegen dieses Problem vorzugehen. So werden etwa im Nationalpark Donauauen alte Hybridpappelstandorte aktiv durch natürliche Arten abgelöst. Die Hybridpappel aus der heimischen Flora zu entfernen wird jedoch nicht mehr möglich sein.