Die Wildbiene
Spricht man von der Biene, meint man meistens die Bekannteste, die Honigbiene. Doch es gibt auch andere. Alle Bienenarten, die keine Honigbienen sind, sind Wildbienen, deswegen sind eigentlich auch Hummeln Wildbienen. Sie werden wegen ihrer Ähnlichkeit mit Honigbienen oder Wespen leicht mit diesen verwechselt oder kleinere Arten fallen teilweise aufgrund ihrer geringen Größe nicht so auf wie Honigbienen oder werden gar nicht erst als Bienen erkannt.
Weltweit gibt es etwa 30.000 unterschiedliche Wildbienenarten, in Österreich über 650. Manche Gattungen sind sehr artenreich, andere eher artenarm. Während einige ihren Verbreitungsschwerpunkt in Europa haben und auf anderen Kontinenten kaum bis gar nicht vorkommen, ist es bei anderen genau umgekehrt und sie sind bei uns nur sehr rar. Dazu kommt ihre Abhängigkeit von bestimmten Klimaten (sie bevorzugen Wärme und Trockenheit), Niststrukturen und/oder Trachtpflanzen.
Je nachdem welcher Art sie zugehörig sind, haben sie Längen von 1,3 Millimetern bis drei Zentimetern. Die optischen Unterschiede sind genauso groß wie ihre bevorzugten Nahrungspflanzen und Nistplatzanforderungen. Viele Wildbienen sind auf eine einzige Pflanzenart, -gattung oder -familie angewiesen. Deswegen sollten Landschaften so vielfältig und gut vernetzt wie möglich sein, nur dann haben auch möglichst viele Arten eine Chance zu überleben.
Der Körper der Wildbiene ist, wie der aller Insekten, in drei Hauptabschnitte geteilt: Kopf (Caput), Bruststück (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Zur Fortbewegung hat sie zusätzlich Flügel und Beine.
Der Kopf besteht aus dem Scheitel, der Stirn, dem Stirnschildchen und einem breiten Kopfschild.
- Augen: Die Wildbiene besitzt 5 Augen. Zwei große Komplex- bzw. Facettenaugen auf beiden Seiten des Kopfes, die einen weiten Rundumblick, aber kein räumliches Sehen ermöglichen, und oberhalb drei kleine Punktaugen.
- Fühler bzw. Antennen: Die zwei Fühler vor den Facettenaugen sind bei Weibchen 12-, bei Männchen 13-gliedrig. Meistens sind sie so lang wie der Kopf, können aber bei den Männchen einiger Arten auch Körperlänge erreichen.
- Mundwerkzeuge: An den Kopfschild schließen sich die Oberlippe, die Oberkiefer und Unterkiefer und die Unterlippe an. Unterkiefer und Unterlippe sind zusammen der Saugrüssel.
Der mittlere, fast kugelförmige Teil des Bienenkörpers ist das aus drei Brustsegmenten (Prothorax, Mesothorax und Metathorax) und einem Hinterleibsegment (Propodeum) bestehende Bruststück (Thorax):
- Prothorax: Der vordere Brustteil ist kurz und als Verbindung zum Kopf etwa gleichbedeutend mit unserem Hals. Hier befindet sich das erste Beinpaar.
- Mesothorax: Am mittleren Brustteil sind neben dem schmalen Rückenpanzerteil und dem Hauptschild zweite Beinpaar und das erste Flügelpaar zu finden.
- Metathorax: Am hinteren, letzten Brustteil sitzen schließlich das Hinterschildchen und das Mittelsegment, das dritte Beinpaar und das zweite Flügelpaar.
In der Evolution ist das erste Segment des Hinterleibs (Abdomen oder Metasoma) mit dem letzten Brustsegment verwachsen.
Es besteht aus Segmenten bzw. halben Ringen: die Oberen sind die Terga, die unteren sind die Sterna. Verbunden sind die beiden von häutigen Gelenken. Die harten Teile der Segmente sind die Panzerringe, die manchmal Sammelhaare tragen, die eine Bauchbürste bilden.
Meist sind bei Wildbienen nur zwei Flügel sichtbar, doch sie besitzen zwei durchsichtige Flügelpaare, die nur durch die Adern, die sie durchziehen, sichtbar sind. Durch diese Adern ist die Flügelhaut in Zellen aufgeteilt und stabilisiert. Am äußeren Flügelrand ist eine kleine, schmale, dunkle Zelle. Die Äderung, Form und Größe der Zellen helfen, die Wildbienengattungen zu unterscheiden. Die Vorder- und Hinterflügel sind an ihren Rändern durch Häkchen verbunden, wodurch große Tragflächen entstehen.
Bienen besitzen drei Beinpaare. Diese sind unterschiedlich spezialisiert: Das 1. Beinpaar hat eine typische Putzrinne für die Fühler, mit der die Pollen von den Fühlern gewischt werden, das 2. ist größtenteils für die nicht fliegende Fortbewegung und Weitergabe der Pollen zuständig und das 3. sammelt die Pollen in den dafür vorgesehenen Taschen. Ein Bein besteht aus den fünf Teilen Hüfte, Schenkelring, Schenkel, Schiene und Fuß, wobei dieser wiederum in fünf Glieder unterteilt ist. Das erste Fußglied, das Fersenglied, ist breit, flach und viel länger als die anderen vier; das letzte Fußglied, das Krallenglied, trägt ein Paar Klauen mit einem Haftlappen zwischen den beiden.
Die Hinterschienen haben bei Weibchen oft eine Schienenbürste, die dem Transport des Pollens dient.
Auch bei der Behaarung ist bei der Wildbiene wieder eine große Varietät zu bewundern. Während einige nur spärlich, wenig auffällig, am seitlichen und hinteren Thorax und auf den Beinen behaart sind, findet sich bei anderen gar keine Behaarung. Es gibt auch eine Vielzahl an Arten mit dichtem, hohem und durch eine leuchtend bräunliche oder gelbliche Färbung gezeichnetem Pelz, der sie viel dicker erscheinen lässt. Zweitere lassen sich sofort von der Honigbiene unterscheiden, auch wenn sie ansonsten gleichgroß sind.
Der Pelz ist nicht nur dazu da, uns die Artbestimmung zu erleichtern, sondern hat vor allem die Funktion der Wärmeerhaltung der wechselwarmen Tiere.
Die verschiedenen Arten der Wildbienen bauen auch verschiedene Nester. Zu unterscheiden sind:
- Liniennester:In Pflanzenstängeln, Fraßgängen und anderen Röhren werden mehrere Zellen bzw. Kammern voreinander angelegt: Der Deckel der ersten Kammer ist der Boden der zweiten Kammer, deren Deckel der Boden der dritten usw.
- Zweignester:Der Haupteingang ist im Boden und verzweigt sich in mehrere Seitengänge, die zu den Brutzellen führen.
- Haufennester:Einige Wildbienen bauen freistehende Zellhaufen oder -reihen an Steinen.
- Wabennester:Zuletzt gibt es noch die Möglichkeit Hohlräume im Boden zu graben und dort aus 15-20 Brutzellen bestehende Grabwaben zu bauen.
Die Gestaltung des Nistraumes erfolgt durch Bearbeiten von (an)organischem Umgebungsmaterial, z.B. modriges Holz, das Mark der Stängel, Moos, feine Wurzeln und Haare von Kleinsäugern. Ist das fertig gestellt, werden die Brutzellen meist mit einem speziellen Sekret ausgekleidet.
Andere erstellen aus Laub- und Blütenblättern, Pflanzenhaaren, Harz, Sand und/oder kleinen Steinchen oder Lehm ihr Nest. Hummeln und Honigbienen bauen ihre Zellen aus körpereigenem Wachs.
Bei den meisten Bienenarten, stellt das Weibchen nach der Paarung Brutzellen her, die mit Nektar und Pollen gefüllt werden und nachdem sie mit einem Ei belegt wurden, verschlossen werden. Diese Art zu leben nennt man solitär. Ein Viertel der bei uns heimischen Arten leben aber als Brutparasiten, bauen sich also keine eigenen Nester, sondern lassen ihre Larven von den Nestvorräten anderer profitieren.
Wird man von einer Wildbiene gestochen, ist Verankerung in der Stichstelle weniger fest als bei der Honigbiene. Außerdem ist der Stechapparat von einer kräftigeren Muskulatur umgeben und sie kann daher ihren Stachel unbeschädigt herausziehen und mehrmals stechen. Im Gegensatz zur Honigbiene wird aus diesem Grund pro Stich immer nur ein Bruchteil der Gesamtgiftmenge injiziert.
