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Gefahren für Bienen

Immer öfter hört man heutzutage von einem weltweiten "Bienensterben", das heißt regelmäßig sterben ganze Bienenvölker oder ein großer Teil davon während einer kurzen Dauer. In Österreich ist dieses Phänomen nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch von Imkerei zu Imkerei unterschiedlich intensiv. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Natur hat ihre Finger im Spiel, wir Menschen sind dabei sie zu gefährden und zuletzt gibt es eine Vielzahl an Schmarotzern.

Sie werden es bestimmt auch gemerkt haben: Klimaänderungen, die vermehrte Starkregenereignisse und Hagel mit sich bringen, können besonders für die unterirdisch nistenden Bienen tödlich sein. Denn es erschwert nicht nur die Nahrungssuche, sondern auch die Brutzellen verschimmeln und in längeren Schlechtwetterperioden können sogar die erwachsenen Bienen verhungern.

Mechanisierung, Chemisierung, Industrialisierung der Landwirtschaft, massive, Flurbereinigungen, Siedlungsbau, Straßenbau, Freizeittourismus sind uns allen Begriffe. Für Bienen ist es nur eins: ihr Todesurteil. Schon 1960 kam es durch die Intensivierung der Landwirtschaft zu einem starken Rückgang von vielen Bienenarten, obwohl Bienen eigentlich fähig sind längere Zeit in kleinen Populationen zu überleben.

Viele Menschen legen viel Wert darauf, jedes nicht zum perfekten Rasen passende Pflänzchen ausnahmslos zu bekämpfen und die Fugen zwischen den Platten regelmäßig auskratzten, damit sich dort ja kein "Un"kraut bildet. In dieser Ordnungsliebe wird alles vernichtet, was ungepflegt aussieht. Dass brach liegende Felder, Säume, Feldraine und unbefestigte Gehwege eine Vielzahl an Bienen beheimaten, ist den Menschen dabei nicht bewusst. Damit rauben wir Bienen ihren Lebensraum! Wird z.B. ein Baum gerodet, ist es hilfreich, einen Teil des Stammes liegen zu lassen, damit Bienen darin Nisten können.


Pflanzenschutzmittel sind chemische oder biologische Wirkstoffe zur Bekämpfung von Unkraut oder Schädlingen und Krankheiten an Pflanzen. Sie stören oder hemmen die Entwicklung der Schadorganismen oder töten sie sogar direkt. Doch ihre Anwendung kann nebenbei unsere Bienen schädigen. Um einen Schaden an Bienen zu vermeiden oder zu hemmen, müssen Imker ausreichend beraten und informiert werden, sollte das Saatgut sachgemäß gebeizt und gekennzeichnet werden, eine Staubabdrift vermieden werden, und es regelmäßige Kontrolle des Bundesamts der Ernährungssicherheit geben. Um die Bienengefährlichkeit eines Mittels festzustellen, werden sie in vier Kategorien eingestuft.

Bienengefährliche Mittel
Etwa 10% aller Pflanzenschutzmittel sind als "bienengefährlich" eingestuft und in der Gebrauchsanleitung entsprechend gekennzeichnet. Nach der Bienenschutzverordnung dürfen diese Mittel weder an blühenden Pflanzen noch an nicht blühenden Pflanzen, solange diese auch außerhalb ihrer Blüte von Bienen beflogen werden, benutzt werden.

Minderbienengefärhliche Mittel
Einige Pflanzenschutzmittel sind zwar als bienengefährlich eingestuft, ausgenommen aber bei der Anwendung außerhalb der täglichen Bienenflugzeiten. Der Bienenflug kann ab ca. 8° C erfolgen, sodass ab ca. 9.00 Uhr die ersten Sammlerinnen losfliegen und je nach Witterung bis ca. 19.00 Uhr, spätestens 23.00 Uhr, Nektar und Pollen sammeln. Diese Einstufung ist für den Praktiker nicht leicht einzuhalten, weil das Ende des Bienenflugs schwer zu ermitteln ist, da es nicht schlagartig und gleichzeitig an allen Orten eintritt.

Für Bienen kaum gefährliche Mittel
In dieser Kategorie sind die Mittel vorhanden, die für Bienen größtenteils ungefährlich sind. In der Kritik steht seit einiger Zeit der Wirkstoff Imidacloprid als Beizmittel vor allem in Frankreich, weil durch seine lange Wirkungsdauer noch Bienen an den Blüten der gebeizten Sonnenblumen und des gebeizten Rapses geschädigt werden sollen. Alle bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigen diese Vermutung nicht.

Für Bienen ungefährliche Mittel
In der vierten Kategorie sind die Mittel, die bis zur höchsten Dosierung nicht bienengefährlich sind. Bei diesen Mitteln gibt es keine Beschränkungen, trotzdem sollten Behandlungen während der Bienenflugzeit bei blühenden Kulturen vermieden werden.

Eine vieldiskutierte Gefahr für die Honigbiene ist die Gentechnik. Einerseits entsprechen einige Blüten nach einer gentechnischen Behandlung nicht mehr ihren Bedürfnissen und andererseits gibt es dann "Superblüten", die sie so anziehend finden, dass sie zu lange darauf verweilen und der Treibstoff für den Heimflug dann nicht mehr ausreicht, so dass sie beim Zurückfliegen sterben.
Außerdem ist die Chance groß, dass sie beim Bestäuben die Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf gentechnisch nicht veränderte Pflanzen übertragen. So sorgt sie für die Auskreuzung und die Kontamination gentechnikfreier Flächen. Dadurch wird die Honigbiene nach Einführung der Agro-Gentechnik in der Landwirtschaft unerwünscht sein. Für die Imkerei ist das eine Bedrohung! Und das, wo es doch ohnehin schon solche Nachwuchsprobleme gibt. Von Jahr zu Jahr werden es bereits weniger Imker. Obwohl Österreich doch eigentlich als das Bienenland gilt.

In der Tierwelt gibt es eine Vielzahl von Parasiten, die die Biene als Wirt benutzen oder ihr auf andere Weise schaden.

Die Männchen der Großen Wollbiene verteidigen ihr Revier gegen Eindringlinge, indem sie auf diese zufliegen und kurz vor dem Zusammenprall ihren mit Dornen bestückten Hinterleib nach vorn krümmen. Dabei werden häufig die Flügel der Angegriffenen zerstört. Die flugunfähigen Insekten verhungern.

Die Wachsmotte schafft es gleich ein ganzes Volk zu vernichten. Sie legt im Nest Eier. Die daraus schlüpfenden Larven fressen die Waben samt enthaltenen Hummeleiern und -larven. Der Nachwuchs bleibt aus und das betroffene Volk erlischt. Durch den Kot der Wachsmotten können außerdem auch Krankheiten auf ein gesundes Bienenvolk übertragen werden. Somit ist die Wachsmotte auch in der Imkerei ein ungebetener Gast.

Eine weitere Bedrohung ist durch die Bienenameise gegeben. Die Weibchen sind stark gepanzert, flügellos und sehr wehrhaft. Sie dringen in die Nester ein und legen in einige Zellen je ein Ei. Nach Verzehr der kompletten Brut verpuppt sich die Bienenameisenlarve in der Zelle. Später schlüpfen dann erwachsene Tiere.

Die Dickkopffliege legt ihr Ei in den Tieren selbst ab. Die Larven ernähren sich dann von den Innereien des Wirtes. Stirbt dieser, verpuppen sie sich im leergefressenen Körper.

Die Faulbrut kann in zwei verschiedenen Arten auftreten. Die Europäische Faulbrut ist die harmlosere der beiden. Davon ist die jüngere und noch offene Brut, Rundmaden genannt, betroffen. Die Rundmaden verfärben sich gelb bis braun und liegen dann schlaff am Zellengrund. Die abgestorbene Körpermasse ist mehr wässrig als fadenziehend. Der Geruch ist säuerlich oder ekelhaft stinkend. Die Krankheit tritt meist im Juli auf und verschwindet auch wieder von selbst. Deswegen ist diese Krankheit relativ harmlos.
Anders ist die Amerikanische Faulbrut. Sie trifft die ältere Bienenbrut, die Streckmaden, die sich bereits in einer mit einem Wachsdeckel verschlossenen Brutzelle befinden. Nach einem Befall der Erkrankung löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf und es bleibt nur eine braune schleimige Substanz übrig, die zu Schorf eintrocknen kann.
Bei ihrem Ausbruch muss alles getan werden, damit nicht ganze Gebiete infiziert werden. Es muss ein Faulbrut-Sperrgebiet von mindestens einem Kilometer Radius um den betroffenen Bienenstand festgelegt werden. Zur Bekämpfung werden das Kunstschwarmverfahren und die Beutendesinfektion eingesetzt. Aber jedes schon einmal bebrütete Wabenmaterial aus den befallenen Völkern muss vernichtet, oder zumindest einem wachsverarbeitenden Betrieb als "Seuchenwachs" angeliefert werden.
Eine andere Möglichkeit ist die Bekämpfung mit Antibiotika. Dabei wird aber nur der Erreger selber abgetötet und nicht seine millionenfach vorhandenen Endosporen. Dieser ist dann als eingetrockneter Schorf in jeder einzelnen abgestorbenen Brutwabenzelle zu finden. Sie sind über 50 Jahre weiter ansteckungsfähig. So kann es nach dem Absetzen der Behandlung immer wieder zu einem erneuten Ausbruch der Krankheit kommen.

Der weitverbreiteste und auch gefährlichste Feind der Biene ist die Varroamilbe. Der Befall dieses Parasiten wird auch Varroose genannt und ist eine Blutkrankheit. Die Milbe beißt sich an der Biene fest und wird dann bis zu 1,6 Millimeter groß. Sie ist vergleichbar mit einem Blutegel, wobei dieser aber die Größe eines Kaninchens haben müsste, um das Verhältnis zu wahren. Eigentlich entwickeln und vermehren sich Varroamilben nicht auf der erwachsenen Biene, sondern in der verdeckelten Bienenbrut.
Da es im Winterhalbjahr keine Brut gibt, müssen die Varroamilben um zu überleben in dieser Zeit vollständig auf erwachsene Bienen umsteigen.
Es ist normal, dass stärkere Bienenvölker schwächere ausrauben. Von der Varroamilbe befallene Völker sind aber zu schwach, um sich zu verteidigen. Die raubenden Bienen stehlen dann ungehindert die Milben mit und infizieren ihre eigene Brut damit.

Die Bekämpfung der Varroamilbe stellt ein großes Hindernis dar. Es wurden viele Behandlungsmittel probiert. Alle töteten zwar nur die Milbe und nicht auch die Bienen, doch mit der Zeit fielen immer mehr Nebenwirkungen in Form von Rückständen in Wachs und Honig auf. Deshalb ist man auf permanenter Suche nach alternativen Behandlungsmethoden ohne Nebenwirkungen für Biene oder Konsumenten. Eine bisher bewährte Vorgehensweise ist der Einsatz von Varroa-Fallen. Hierzu muss die Drohnenbrut kurz vor dem Schlüpfen entfernt werden. Denn die Drohnenbrut ist fast 9 mal häufiger von Varroabefall betroffen als die der Arbeiterinnen
Eine weitere effektive biotechnische Methode ist das Fangwabenverfahren. Dabei erhalten brutfreie Völker oder Volksteile eine Drohnenwabe mit offener Drohnenbrut. Nach der Verdeckelung wird die Brutwabe mitsamt den Varroamilben entnommen und eingeschmolzen. Bei einer einzigen Anwendung werden schon ca. 80% der Eindringlinge getötet.
Eine neuere und komplett chemiefreie Methode nennt sich "Varroa-Kill". Dabei wird am Boden des Bienenstocks eine Heizplatte oder Glühbirnen angebracht. Damit wird die Temperatur im Bienenstock auf etwa 42°C erhöht. Somit steigt die Temperatur weit über das Optimum. Die Bienen im Stock versuchen durch "Fächeln" mit ihren Flügeln die Luft wieder abzukühlen. Durch diese Bewegung fallen aus dem gesamten Stock bereits Milben zu Boden, die dort durch die Wärme sofort vernichtet werden. Ungefähr 98% der unerwünschten Milben können damit vernichtet werden, mit den übrig gebliebenen kommt der Imker zurecht.


Heutzutage ist es für ein Honigbienenvolk kaum mehr möglich über einen längeren Zeitraum zu überleben, wenn sie keine Hilfe von einem Imker erhalten. Doch nicht nur in Österreich, sondern weltweit gibt es immer weniger Imker und Imkerinnen. In Österreich gibt es noch ungefähr 22.000 Imker und Imkerinnen mit ca. 350.000 Bienenvölkern. Durch zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen, wie Bienenfeste oder Besichtigungen, deren Ziel es ist, den Besuchern die vielen positiven Aspekte des Imker Daseins näher zu bringen, wurde erreicht, dass die Imkerzahl wenigstens in letzter Zeit nicht gesunken ist. Denn neben dem Aspekt, dass sie viel dazu beitragen, dass unsere Artenvielfalt geschützt wird, erhalten sie auch noch gesunde und natürliche Produkte als Belohnung.

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