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2013 – Die Eibe
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Baum d. Jahres

2013 – Die Eibe

20 Jahre Baum des Jahres in Österreich! Dieses Jahr steht ganz besonders im Zeichen der Eibe, einem immergrünen Nadelbaum, der schon seit der Steinzeit genutzt wird.

Der „Baum des Jahres“ ist eine Zusammenarbeit des Lebensministeriums mit dem Kuratorium Wald mit dem Ziel bedeutende, aber auch gefährdete Baumarten in das Licht des öffentlichen Interesses zu rücken. Am 21. März – dem Internationalen Tag des Waldes – erschien eine umfassende Broschüre zum diesjährigen Baum des Jahres. Sie können diese weiter unten auf dieser Seite oder im Webshop bestellen.

Geschichte

Der lateinische Gattungsname Taxus leitet sich vom griechischen toxon ab, was übersetzt Bogen bedeutet. Des Weiteren versteht man unter einem Toxikum (griechisch: toxikon) Gift. Im Lauf der Jahrtausende hat die Eibe in vielen verschiedenen Bereichen das Leben der Menschen beeinflusst. Bereits die Neandertaler setzten Jagdwaffen aus Eibenholz ein.

Aufgrund der Elastizität und der gleichzeitigen Härte eignete sich das Holz besonders für die Produktion von Bögen und Speeren. Zusätzlich präparierten die Kelten ihre Speere mit dem giftigen Eibensaft. Die ältesten Funde von Gegenständen aus Eibenholz sind zwei ca. 90 000 und 150 000 Jahre alte Speere.

Weitere Funde zeigen, dass Eibenholz auch für die Herstellung von Peitschen und Gebrauchsgegenständen wie Löffel, Teller, Schalen und Nadeln genutzt wurde. Generell wurden Dinge, die einer starken Beanspruchung oder einem hohen Risiko an Fäulnis unterlagen, aus Eibe gefertigt, wie z.B. Türschwellen oder Stege. Sogar drei Schiffe aus Eibenplanken konnten gefunden werden. Die Ägypter nutzten das Holz auch für den Sargbau.

Schon in der Antike war der Eibenbaum sehr bekannt. Eibennadeln wurden oft bei Morden oder Selbstmorden eingesetzt, in geringen Dosen auch zur Abtreibung. Dioscurides, griechischer Arzt und Parmakologe des Altertums, schrieb über die Gefahren, die von der Eibe ausgehen. Seiner Meinung nach begaben sich Menschen schon in Lebensgefahr, wenn sie im Schatten einer Eibe schliefen. Plinius teilte diese Meinung und riet auch davon ab, aus Eibenholzgefäßen zu trinken.

Im Gegensatz dazu war die Eibe im Altertum mit einer schützenden Rolle besetzt, sollte sie doch Blitze und Dämonen fern halten. Das Holz war so begehrt, dass schon im 16. Jahrhundert Schonzeiten für den Baum festgesetzt wurden.

Beschreibung

Die Europäische Eibe (Taxus baccata) ist die einzige europäische Art der Pflanzengattung Taxus.

Der Stamm der Europ. Eibe kann sehr vielseitige Formen annehmen: aufrecht, drehwüchsig und spannrückig. In der Jugend wächst die Eibe sehr langsam, unter unünstigen Bedingungen (starke Beschattung) lediglich 1 bis 3 cm pro Jahr. Ab einem Alter von ca. 90 Jahren kulminiert das Höhenwachstum der Eibe. Die Durchschnittshöhe der europ. Eibe ist 15 Meter, nur wenige werden größer.

Im Gegensatz dazu hören Dicken. und Kronenwachstum nie auf. So kann es zu Stammdurchmessern von über einem Meter kommen. Freistehende Eiben, die nicht von anderen Bäumen eingeengt werden, sind bis an den Boden beastet. Auch sind ältere Exemplare sicht selten mehrgipfelig und mehrstämmig. Ab einem Alter von etwa 250 Jahren kommt es bei Eiben häufig zu einer Kernfäule im Stammesinneren. Dabei kann der Baum im Laufe von Jahrhunderten fast gänzlich ausgehöhlt werden. Da dadurch im Stammesinneren keine Jahresringe mehr vorhanden sind, wird eine genaue Altersbestimmung von alten Eiben nahezu unmöglich und muss geschätzt werden. Beim Befall von Kernfäule wächst die Baumkrone weiter, bis Teile des ausgehöhlten Stammes unter dem Gewicht einbrechen. Stehen bleiben kreis -oder halbkreisförmige Stammfragmente, die durch neue Triebe ergänzt werden können. Um abgefaulte Stammteile wieder zu ersetzen, können im Stammesinneren Innenwurzeln gebildet werden, die sich dann zu einem neuen Stamm entwickeln.

Blüten

Wachsen Eiben unter optimalen Standortbedingungen, tragen sie das erste Mal mit 15 bis 30 Jahren Blüten. Unter weniger guten Standortbedingungen kann sich die Geschlechtsreife bis auf 100 Jahre hinauszögern. Blüten bilden sich im Spätsommer und blühen zwischen Februar und März. Da zu dieser Zeit Laubbäume in der Regel noch keine Blätter tragen, ist sichergestellt, dass der Pollenflug selbst dann ungehindert stattfinden kann, wenn die Eibe von Laubbäumen überschirmt ist.

Im Normalfall sind Eiben zweihäusig getrenntgeschlechtlich, weibliche und männlich Blüten befinden sich also auf unterschiedlichen Bäumen, wobei es aber Ausnahmen gibt.

Samen

Die Samen der Eibe sind ungefähr 6-7 mm lang und 43-77 mg schwer. Ein fleischiger Samenmantel, Arillus genannt, umgibt die Samen becherförmig, um sie so zu schützen. Die Samen reifen von August bis Oktober und keimen erst im zweiten Frühjahr. Während der Reife ändert sich das Grün des Arillus zu einem satten Rot. Vögel, vorallem Drosseln und Amseln, werden von dem süßen Samenmantel angelockt und verdauen ihn unversehrt. Das trägt zur Verbreitung der Eibe bei.

Vorkommen

Der Name der Europäischen Eibe verleitet dazu, fälschlicherweise anzunehmen, dass es sie nur in Europa gibt. Der Bestand an europäischen Eiben geht über die Grenzen Europas hinaus. Vom Atlasgebirge in Nordwestafrika über Europa, Kleinasien bis in den Kaukasus und den Nordiran reicht das Verbreitungsgebiet. In Europa ist das Verbreitungsgebiet in viele kleine Teilareale zerrissen. Während man Eiben vielerorts zwar nur noch als Einzelbaum findet, gibt es in Dänemark und Holland gar keine natürlichen Vorkommen mehr.

Bei der Wahl ihres Standorts ist die Eibe nicht wählerisch, sie gedeiht auf humosem oder lehmigem Sandboden, auf feuchten, wechselfeuchten und sehr trockenen, sowie auf sauren und basischen Böden. Sie ist sehr stabil gegen Windwurf und Schneebruch. Lediglich Staunässe verträgt die Eibe nicht, und auch auf plötzliche Lichtstellung reagiert sie empfindlich. Optimale Bedingungen hat die Eibe auf frischen Kalkhängen und gut durchwurzelbaren, nährstoffreichen, oft basischen Böden in ozeanischer, feuchter Klimalage. Sie gedeiht vor allem dort, wo sich das Klima durch milde Winter, kühle Sommer, viel Regen und eine hohe Luftfeuchtigkeit auszeichnet. Ihr Niederschlagsoptimum liegt bei über 1000 mm/Jahr, und der für sie optimale pH-Wert liegt zwischen 5,5 und 8,0. Die Tatsache, dass sie selbst in Flussauen zu finden ist, deutet auf eine Toleranz gegen Sauerstoffmangel im Boden hin. Je nach Standortbedingungen wächst die Eibe als Baum oder Strauch. Die Europäische Eibe ist die schattenverträglichste Baumart Europas. Junge Eiben gedeihen hauptsächlich im Schatten anderer Bäume. Herangewachsene Eiben vertragen zwar volle Sonne, ihnen reichen aber auch nur fünf Prozent der Lichtmenge des Freilandes, um erfolgreich Blüten und Samen zu bilden. Langjährige Übernutzung, gezielte Ausrottung aufgrund ihrer Toxizität und Wildverbiss führten dazu, dass Eiben oft nur noch an Steilhängen vorkommen. Reine Eibenbestände findet man selten. Solche entstehen, einhergehend mit ihrer hohen Lebensdauer, vorwiegend durch das Überdauern anderer Baumarten.

In Österreich ist die wohl berühmteste Vertreterin der Eibe die „Tausendjährige Eibe“ am Rennweg 12, aber auch im Botanischen Garten des Schlosses Schönbrunn und in Gruppe 28 im Wiener Botanischen Garten gibt es Eiben zu bewundern. Ein größeres Eibenvorkommen, etwa 250 Bäume, findet man inPichlwald am Mondsee in Oberösterreich.

 Gefahren

Aufgrund ihrer hohen Dosis an Gift hat die Eibe kaum mit Parasiten zu kämpfen. Vereinzelt findet man aber dennoch Eibenschädlinge.

Gallmilben, Gallwespen und Gallmücke können eine Gefahr für die Eibe darstellen. Sie legen ihre Eier in die Knospen, sodass diese anormal zu 6 bis 8 mm großen Gallen verdicken und nicht richtig austreiben können. Auch junge Nadeln können dadurch verdreht und deformiert wachsen und sich gelblich verfärben. Die vergallten Knospen sterben zwar Ende Juli ab, jedoch verdicken die Knospen im kommenden Jahr wieder. Befallene Äste und Triebe sollten deswegen vor dem Austrieb entfernt werden. In der Regel ist aber keine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Die Taxus-Napfschildlaus befällt besonders niedrigere Eiben. Sie saugt den Pflanzensaft aus Nadeln und Trieben und lässt junge Triebspitzen dadurch absterben. Befallene Zweige und Nadeln sind mit einem schwarzen Belag verklebt. Bewässerung und Mulchung des Bodens können zur Bekämpfung dienen, oft ist es aber unvermeidbar, direkt gegen die Larven vorzugehen. Larven des gefurchten Dickmaulrüsslers werden durch Erde übertragen. Sie haben sich auf junge Bäume spezialisiert und fressen sich durch deren Wurzeln, bis diese verwelken. Ausgewachsene Rüsselkäfer fressen sich durch Nadeln, Knospen und Rinde. Dadurch kommt es zu Verfärbungen und zum Absterben ganzer Triebe. Die Bekämpfung dieser Insekten ist nur möglich, wenn der Boden mehr als 12° C hat. Eingesetzt wird dabei eine Nematodenart.

Aber auch die Natur selbst macht es der Eibe nicht immer leicht. Bekommt der Baum während einer Trockenperiode nicht genug Wasser, vergilben seine Nadeln und fallen schließlich ab. Der wohl größte Feind der Eibe und somit maßgeblich für ihre Bedrohung verantwortlich, ist der Mensch. Aufgrund ihrer Beliebtheit zur Herstellung von Waffen kam es schon früh zur Übernutzung der Eibe. Andererseits wurde sie aber auch systematisch verfolgt und ausgerottet, da ihr Gift eine große Gefahr für Nutztiere darstellte. Im 15./16. Jahrhundert waren die Eibenbestände in England bereits so erschöpft, dass das Holz aus anderen Ländern importiert werden musste.

Heute müssen die noch vorhandenen Eibenvorkommen systematisch gefördert werden, um sie zu erhalten.