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2008 – Der Speierling
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Baum d. Jahres

2008 – Der Speierling

Anlässlich des internationalen „Tag des Waldes“ am 21. März präsentierten Umweltminister Dr. Josef Pröll und Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Kuratorium Wald, den Baum des Jahres 2008, „Den Speierling“. Die Aktion „Baum des Jahres“ feiert heuer ihr 14jähriges Jubiläum und bildet ein Gemeinschaftsprojekt des Lebensministeriums mit dem Kuratorium Wald, das darauf abzielt, bedeutende und/oder gefährdete Baumarten, aber auch den Wald als Ganzes in seiner ökologischen Bedeutung für uns Menschen informativ darzustellen.

Der diesjährige Baum des Jahres, der Speierling, ist eine Seltenheit in unseren Wäldern, um die Verbreitung dieser Baumart zu erhöhen, wird seitens des Ministeriums das Planzen und die Pflege im Rahmen des Programms „Ländliche Entwicklung“ finanziell unterstützt, erklärt Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll anlässlich der Präsentation des Baum des Jahres 2008.

Die Forcierung des Speierlingbaumes ist ein wichtiger Beitrag zur Erfüllung der Biodiversitätsverpflichtungen Österreichs, wenn man bedenkt, dass es lediglich nur etwa 500 „erwachsene“ Speierlingbäume in ganz Österreich gibt und der Speierling daher zu den gefährdesten Baumarten Österreichs zählt, so Kuratoriumspräsident Gerhard Heilingbrunner.

Der Speierling – eine Seltenheit im Wald – nur bis 500 Bäume in Österreich !

Der Speierling heißt mit wissenschaftlichem Namen „Sorbus domestica L.“ und ist mit der Eberesche verwandt. Über die deutsche Namensgebung gibt es bis heute nur Vermutungen. Möglicherweise wurde der Name aber von Speien, Ausspucken oder Erbrechen abgeleitet, da man die kleinen frischen Früchte des Speierlings wegen ihres hohen Gerbsäuregehalts gerne wieder ausspuckt. Seine Verbreitung bis Österreich begann der „Sorbus domestica“, der als wärmeliebende Pflanze gilt, im Mittelmeerraum. In der Alpenrepublik kommt der bis zu 17 Meter hohe Baum vor allem in Niederösterreich, Wien und im Burgenland vor. In der Steiermark gibt es laut offiziellen Aufzeichnungen nur zwei Exemplare. Insgesamt werden in Österreich zwischen 300 und 500 Speierlinge, die ein Alter von bis zu 350 Jahren erreichen, geschätzt.

Die Nutzung des Speierlings

Die Nutzung des Speierlings ist bzw. war sehr vielfältig. In der holzverarbeitenden Industrie ist seine Bedeutung aufgrund der immer schon geringen Bestände sehr gering. Das Holz des Speierlings, der heute zu den gefährdetsten Bäumen in Österreich zählt, ist das schwerste aller europäischen Laubholzarten und findet fast nur noch im Werkzeug- und Musikinstrumentebau seine Berücksichtigung. So werden vor allem Blasinstrumente, wie die Flöte oder der Dudelsack, aus Speierling angefertigt. Bekanntheit erlangte der Speierling durch seine Früchte, die von Baum zu Baum unterschiedlich aussehen und die zu Marmeladen, Schnaps oder Apfelwein weiterverarbeitet werden. Die Fruchterträge sind ganz beachtlich: So bringt der größte existierende Speierling in Österreich, der einen Durchmesser von 1 ½ Meter aufweist, im Jahr rund 500 Kilo Früchte. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde den Früchten des Speierlings noch medizinische Wirkung attestiert. Volksmedizinisch wurden die Früchte bei Durchfallerkrankungen eingesetzt.

Baumart in Gefahr

Seit mehr als 100 Jahren ist ein starker Rückgang der Speierlingbestände in Österreich und Europa bemerkbar. Der Speierling ist eine charakteristische Baumart jener Laubwaldgesellschaften, die vielfach nur noch bis vor 100 Jahren im so genannten Mittelwaldbetrieb bewirtschaftet wurden. Der Speierling wurde in den letzten 100 Jahren Opfer der Forcierung der Hochwälder, er unterlag dem Konkurrenzdruck der durchwachsenden Nachbarbäume. Von den Schädlingen stellt der Schorfpilz die größte Gefahr für den Speierling dar. Der Schorf befällt vor allem die Früchte, Jungpflanzen und Triebe. Zusätzlich setzten der Rindenkrebs und der Feuerbrand – eine Bakterienkrankheit, die vor allem bei Kernobst auftritt, dem Speierling zu.

Speierling-Setzlinge und –Samen können bei verschiedenen Baumschulen erworben werden. Der Preis pro Pflanze bewegt sich bei ungefähr zwei Euro. „Aber die Käufer sollten darauf achten, dass nur Samen und Pflanzen aus Österreich verwendet werden – dh. nur autochtones Material. Damit wird die bestehenden Speierlinge durch andere verwandte Arten nicht noch mehr dezimieren“, empfiehlt Kuratorium Wald.

Der Tag des Waldes

Ende der 70er Jahre hat die Welternährungsorganisation FAO als Reaktion auf die globale Waldvernichtung den 21. März zum „Internationalen Tag des Waldes“ ausgerufen. Jährlich verschwinden etwa 20 Millionen Hektar Wald und Wälder werden in zahlreichen Ländern durch das ungezügelte Wirtschaften der Menschen in ihrer Substanz bedroht. Der „Tag des Waldes“ soll zum Umdenken anregen und Aufklärungsarbeit verrichten!

In der Broschüre „Baum des Jahres 2007 – Der Speierling“ finden Sie weitere detaillierte Informationen über allgemeine Eigenschaften, Knospen, Blätter und Blüten, das Wurzelwerk, die Nutzung, waldbauliche Eigenschaften, den Anbau und die Bedrohungen des Speierlings. Die Broschüre kann beim Kuratorium Wald gegen einen Unkostenbeitrag von € 5,00 8inkl. Versandkosten) bestellt werden: eMail: kuratorium@wald.or.at ).

Das Kuratorium Wald dankt insbesondere Herrn DI Dr. Thomas Kirisits, Institut für Forstentomologie, Fortspathologie und Forstschutz der Universität für Bodenkultur, für die Beratung und die Zurverfügungstellung von Informationsmaterialien sowie Photos zum Speierling.

Den Speierling finden Sie auch im Lebensbaumkreis am Himmel wieder. Wer in der Zeit zwischen 1. und 10. April, sowie zwischen 4. und 13. Oktober geboren wurde, dessen Lebensbaum ist die Eberesche. Auf Grund der Verwandtschaft mit der Eberesche hat das Kuratorium für die Zeit 4. Bis 13. Oktober im Lebensbaumkreis einen Speierling gepflanzt. Die Eigenschaften beider Bäume können auch mit „ Sinn für Gemeinschaft, will die Welt verschönern, selbstkritisch, gefühlsvoll, liebt das Leben, Kampf zwischen Analyse und Intuition“ beschrieben werden.

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