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Protokoll 3: Berglandwirtschaft
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Alpenkonvention

Best Practices zu Protokoll 3:

Berglandwirtschaft

Kräuterprojekt „Alchemilla“ – Kräuterprodukte, Kräuter – Seminarangebot und Kräuterthemenweg im Biosphärenpark Großes Walsertal

Bundesland Vorarlberg

Unter dem Namen Alchemilla (der lateinische Name des Frauenmantels) entwickelten Frauen aus 6 Gemeinden im Biosphärenpark Großes Walsertal Kräuterprodukte (wie Seifen, Kräuterkissen, Salben, etc.). Ziel der Frauen ist es, die Vielfalt der Natur- und Kulturpflanzen sichtbar zu machen und alte und neue Nutzungsweisen und damit die Bedeutung dieser Pflanzen für den Menschen bekannter zu machen. Vorgestellt wurde das Projekt erstmals im Jahre 2007 im Rahmen eines Kräuterwochenendes. Unter anderem wurde eine Vermarktungsschiene für die erzeugten Produkte aufgebaut und gemeinsame Broschüren (zum Beispiel ein Kursprogramm oder zum Beispiel eine Projektbeschreibung) erstellt.

Das Große Walsertal mit einer Fläche von 192 km² ist mit seinen 3.500 Einwohnern dünn besiedelt und weist kaum Industrie auf. Dafür gibt es eine intakte Kulturlandschaft, sehr artenreiche Blumenwiesen und nahezu unberührte Naturlandschaften. Das eigentliche Ziel des Projekts ist es daher, Betätigungsfelder für Frauen in der Region zu schaffen und die bestehende Eigeninitiative der Frauen zu stärken und zu fördern.

Die hergestellten Kräuterprodukte werden gemeinsam vermarktet und beworben. Durch die Vermarktung der regionalen Kräuterprodukte wird eine regionale Wertschöpfung erzielt und stellt für die Frauen der Region eine eigenbestimmte Erwerbsmöglichkeit dar – dies in einer Region, in der die Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen sehr beschränkt sind. Über die Region hinaus werden Kooperationen mit Betrieben im Tal und über das Tal hinaus angestrebt. So werden die Produkte derzeit in 2 Hotels in der Region, im Tourismus- und Biosphärenparkbüro, im Regionalladen im Haus Walserstolz und in einem Bio-Regionalladen vertrieben. Veranstaltungen wie die Gartentage oder verschiedene Kursangebote helfen dabei, Aufmerksamkeit für das Thema Kräuter und das damit verbundene Erfahrungswissen zu gewinnen.

© Susanne Grasser
© Susanne Grasser

© Umweltbüro Grabher
© Umweltbüro Grabher

© Biosphären Management
© Biosphären Management

Ansprechpartner:
Frau Ruth Moser
Biosphärenpark Großes Walsertal
Jagdbergstraße 272,
A-6721 Thüringerberg
Telefon: 0043-5550-20360
Telefax: 0043-5550-2417-4
E-mail: moser@grosseswalsertal.at
www.alchemilla.at

© Susanne Grasser
© Susanne Grasser

© Susanne Grasser
© Susanne Grasser

Bioheuregion Trumer Seenland

Bundesland Salzburg

Im Trumer Seenland, Mattigtal und Mondseeland wurden und werden durch biologische Wirtschaftsweise neue Maßstäbe gesetzt. Das, was 1996 dreizehn Bauern begonnen haben, ist heute eines der größten grenzüberschreitenden Projekte Salzburgs und Oberösterreichs. 240 Biobauern aus 27 Gemeinden zählen heute zur Bio-Genossenschaft Trumer Seenland. Zahlreiche Aktivitäten laufen unter dem Titel Bio-Heuregion. Schwerpunkte sind die Bewusstseinsbildung in der Region, die Verbindung von Landwirtschaft, Ökologie und Kultur, lebendiges Lernen, die Kooperation mit dem regionalen Gewerbe, mit dem fairen Handel (EZA) dem Klimabündnis und dem Tourismus, wie das Projekt Bio-Frühstück oder die Seehamer Bio-Tage.

25 Millionen Liter Bio-Heumilch werden hier silofrei produziert, und in 6 regionalen Käsereien verarbeitet. Nur mehr 15 % der Österreichischen Milch und 2 % der europäischen Milch wird im Rahmen der Heuwirtschaft produziert. Auch der Dinkelanbau wurde durch eine Interessensgemeinschaft (IG Bio-Dinkel) wieder belebt. Aber nicht nur Milch und Getreide sondern von Apfelsaft bis Ziegenkäse wird in der Bio-Heuregion alles produziert. Produktion, Vermarktung und Einkauf von regionalen Bio-Produkten bietet die Vorteile der Authentizität, Produktsicherheit, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle. Diese Eigenschaften werden aufgrund von Globalisierung und Individualisierung immer mehr nachgefragt.

In der Bio-Heuregion gibt es auch zahlreiche Schulprojekte wie beispielsweise „vom Korn zum Brot“, eine Exkursionsmöglichkeit in eine Mühle, oder auch die Wurmkompostkiste, die allen Schulen und Kindergärten der Region angeboten wurde um praxisnah das Thema Boden zu vermitteln. Die Bioheuregion stand auch als Partner bei Forschungsprojekten in der sich die Uni Innsbruck und Universität für Bodenkultur Wien mit Bioregionen als Modell für nachhaltige Regionalentwicklung beschäftigen zur Verfügung. Nun will man sich die Biodiversität und Weiterentwicklung des Biolandbaues als Schwerpunkt setzen. Mit der Heuwirtschaft und der biologischen Wirtschaftsweise wird schon viel zum Naturschutz beigetragen. Das Projekt „blühende Bio-Heuregion“ soll dem in vielfältiger und kreativer Weise gerecht werden.

Ansprechpartner:
Obmann Franz Keil
Webersberg 2, A-5164 Seeham
Telefon: 0043-664-8132652
E-mail: keil.franz@aon.at
www.bioheuregion.at

Villgrater Naturprodukte

Bundesland Tirol (Osttirol)

Noch in den 1980er Jahren mussten Schaferzeugnisse nach Österreich importiert werden da sie nicht ausreichend produziert werden konnten. Daraufhin haben einige Bauern im Villgratental von der Rinderwirtschaft auf die Schafhaltung umgestellt und in Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Universität ein Marketingkonzept erstellt. Ab diesem Zeitpunkt wurde unter dem Markennamen „Villgrater Frischlamm“ Lammfleisch, Lammspezialitäten und verschiedene Käsesorten erzeugt und der gehobenen Gastronomie als gewünschte Kundenschicht angeboten und verkauft. Auch die Schafwolle wurde bereits verarbeitet. Gemeinsam mit einem Schweizer Prüfinstitut wurde experimentiert, inwieweit sich Schafschurwolle als Dämmstoff einsetzen lässt. Die ausgezeichneten bauphysikalischen Eigenschaften der Schafschurwolle wurden rasch erkennbar und es wurde begonnen, die notwendigen Voraussetzungen für eine Vermarktung zu schaffen.

Ein 40 Meter langes und 16 Meter breites mit Schafwolle gedämmtes Haus aus Holz wurde gebaut und ein Jahr später in Betrieb genommen. Durch ein selbst entwickeltes Konzept konnten 100.000 kg Schafwolle – das entspricht etwa 20 % des österreichischen Wollaufkommens – zu Dämmstoffen, Matratzen und Gesundheitsbetten verarbeitet werden. Bei der Entwicklung der Schlafsysteme stand Prof. Willi Dungl mit vielen Tipps zur Seite. Zur gleichen Zeit wurde auch ein Bauernladen eingerichtet, in dem neben den selbst erzeugten Produkten auch landwirtschaftliche Produkte von über 30 Bäuerinnen verkauft werden (z.B: Honig, Käse, Eier, handgestrickte und gefilzte Sachen). Die benötigte Wolle wird über die österreichischen Schafzuchtverbände gesammelt. Jene Wolle die ein Schaf pro Jahr liefert (2-3 kg) wird nach der Schur gewaschen, in Ballen verpackt und in das Villgratental geliefert, wo sie dann zu Dämmprodukten und zu anderen Produkten verarbeitet wird.

Mittlerweile ist das Villgrater Natur Haus ein beliebtes Ausflugsziel geworden und braucht mehr Platz für Gäste und Produkte, auf Grund dessen wurde ein „Zirbensaal“ angebaut, der für Seminare und Feiern genützt werden kann. Heute – Über 20 Jahre nach Gründung des Unternehmens verarbeitet Josef Schett ein Drittel der in Österreich anfallenden Schafwolle.

Ansprechpartner:
Villgrater Naturprodukte Josef Schett KG
Innervillgraten 116
A-9932 Innervillgraten
Telefon: 0043-4843-5520
Fax: 0043-4843-5519
E-mail: office@villgraternatur.at
www.villgraternatur.at